Com-Scouts

In den Stuhlkreisen und Schülerparlamenten tun sich einige Schüler durch besonders engagierte Teilnahme, durch Fähigkeiten zu Perspektivwechsel, hohe Empathie und Reflexivität aus. Diese Schüler haben die Chance, eine Position als Com-Scout zu übernehmen.

Com-Scouts haben besondere kommunikative Fähigkeiten und sind in der Lage, diese für andere Schüler einzusetzen. Sie engagieren sich, um die Kommunikation zwischen den Schülern voran zu bringen. Sie nutzen ihre Fähigkeiten, um wahrgenommene Problemlagen aus ihrer Sicht anzusprechen und in die Kommunikation zu bringen. Com-Scouts gehen regelmäßig zu Stuhlkreisen in andere Klassen. Sie können von Lehrern auch zur Unterstützung von Kommunikation angefordert werden.

Die Com-Scouts haben sich selbst hohe ethische Verantwortung auferlegt: so dürfen sie nicht parteiisch sind und ihre Fähigkeiten nicht missbrauchen.

Com-Scouts können Schüler werden, die die beschriebenen Fähigkeiten in Ansätzen zeigen. Das Vorschlagsrecht haben Lehrer und die Com-Scouts selbst. Die Entscheidung, ob jemand Com-Scout „auf Probe“ wird, fällen die „fertigen“ Com-Scouts in ihren wöchentlichen Sitzungen. Dann wird der Com-Scout „auf Probe“ zur Lehre bei Aufgabenstellungen mitgenommen, um so in der Praxis zu lernen. Die Ausbildungszeit dauert mehrere Monate. Danach entscheiden die fertigen Com-Scouts, welche Fähigkeiten noch weiter ausgebildet werden müssen, um die Aufgaben tatsächlich übernehmen zu können.

Bei Überlastung eines Com-Scouts durch persönliche Problemlagen, kann ein Com-Scout sein Amt ruhen lassen. Bei unangemessenem Verhalten oder Missbrauch seiner Position wird ein Com-Scout in einer Sitzung von den anderen mit seinem Verhalten konfrontiert. Er kann in den Stand „auf Probe“ zurück versetzt werden oder sein Amt verlieren.

Die Leistungen als Com-Scout werden auf dem Zeugnis vermerkt und für Bewerbungen zertifiziert.

Für viele Schüler der Ruth-Cohn-Schule ist es erklärtes Ziel, Com-Scout zu werden. Dieses Amt wird als sehr ehrenvoll angesehen und als besonderes Merkmal der Schule. Es gibt in jeder Klasse Schüler, die die notwendigen Eigenschaften mitbringen. Der Ausprägungsgrad der Eigenschaften ist abhängig vom Alter, der Persönlichkeitsstruktur und der Entwicklung, die die Person durchlaufen hat.

Com-Scouts werden zwar zur Klärung von Problemlagen herangezogen, sie sind aber nicht vorrangig Streitschlichter sondern Kommunikationsunterstützer mit einer sehr hohen Verantwortung.

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2009

 


Schülerparlament

Probleme oder Fragestellungen, die mehr als eine Klasse betreffen, müssen in einem größeren Kreis besprochen werden. Dazu dient das Schülerparlament. An diesem Schülerparlament nehmen die aktuell unterrichtenden Lehrer, alle Schüler der betroffenen Klassen teil. Teilweise kann ein Schülerparlament auch für alle Schüler der Schule notwendig sein.

Die Klärung von Störungen hat Vorrang vor der Durchführung von Unterricht. Hintergrund ist, dass die Vermittlung von Inhalten nur möglich ist, wenn Störungen geklärt worden sind, weil erst dann der Kopf wieder für diese Dinge frei wird.

Deshalb wird bei erkannter Notwendigkeit für alle beteiligten Schüler der Unterricht unterbrochen. Die Schüler und Lehrer kommen in einem großen Kreis zusammen. Alle Schüler sind durch den täglichen Stuhlkreis in der Form reflektierenden, wertschätzenden aber auch konfrontierenden Austausches trainiert.

Neben der Lösung aktueller Problemlagen dient das Schülerparlament auch dazu, grundsätzliche Werte zu kommunizieren, die Schüler an Entscheidungen zu beteiligen, sie über Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Hier wird ganz konkret Demokratie eingeübt.

Ein Schülerparlament kann von der Schulleitung, von Lehrern oder nach Absprache auch von Schülern einberufen werden.

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2009

 


Stuhlkreis

In allen Klassen finden an jedem Morgen Stuhlkreise in der ersten Stunde statt. Diese Form des Austausches hat zentrale Bedeutung im Rahmen der Förderbedarfe der einzelnen Schüler, der Entwicklung von Emotionalität, angemessenem Sozialverhalten, Übernahme von Selbstverantwortung und Entwicklung eines demokratischen Verständnisses.

In den Stuhlkreisen werden alle klassenrelevanten Fragestellungen angesprochen. Außerdem ist jeder Schüler und jeder Lehrer als Chairperson verpflichtet, seine eigene Rolle zu reflektieren, sich als Teil der Gruppe an der Erarbeitung von gemeinsamen Fragestellungen, Aufgaben, Problemen mit ein zu bringen. Durch diese gemeinsame Zeit wächst das Verständnis der anderen Personen. Außerdem stellt der Austausch ein tägliches Trainingsfeld für alle Teilnehmer dar.

In einigen Klassen muss nicht immer der Lehrer Leiter der Gruppe sein. Er kann diese Aufgabe auch an Schüler übergeben, die Metaebene einnehmen und die Rückmeldungen über seine Wahrnehmungen geben, die noch einmal eine andere Sichtweise der Arbeit und des Umgangs miteinander einnehmen.

Die Schüler erfahren durch die Teilnahme, dass sie mit ihrer Sichtweise auf Dinge ernst genommen werden. Außerdem haben sie die Möglichkeit, eigene Problemlagen zu formulieren, die dann zum Thema der ganzen Gruppe werden können.

Der Einfluss des außerschulischen Umfelds auf alle Schüler ist immer sehr groß. Zwar ist die Einflussnahme auf diesen Bereich durch die Schule nur eingeschränkt möglich, doch ist sowohl die Kenntnis von Sachlagen als auch der Umgang mit Problemen und Entwicklungen eine wichtige Grundlage im Zusammenhang der Arbeit am Förderbedarf.

 

 


Grenzen und Begrenzen

Kinder und Jugendliche mit Verhaltensproblemen sind meistens nicht in der Lage, sich selbst zu begrenzen. Sie stehen damit in der Situation entweder ständig die Grenzen anderer Menschen zu überschreiten, übergriffig zu werden, oder aber sich selbst nicht nach außen abgrenzen zu können.

Das hat zur Folge, dass die eigene Identität, die auch durch Grenzen gekennzeichnet ist, nicht wahrgenommen werden kann.

Die Entwicklung von Schülern ist durch unterschiedliche Entwicklungsstufen gekennzeichnet. Zunächst einmal muss die Ich-Wahrnehmung entwickelt werden. Das passiert nicht isoliert, sondern immer wieder über Rückmeldungen verbaler und körperlicher Art der Gruppe und des Gesprächspartners über den gemeinsamen Umgang und die gemeinsame Arbeit, die Sache. Das alles ist eingebettet in das Lebensumfeld des Kindes, Globe in der TZI.

Es ist schon viel erreicht, wenn Schüler sich auf eine verbale Begrenzung einlassen können. Das heißt, dass sie auf dem Weg einer Entwicklung zur Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit bereits auf der Ebene von möglicher Reflexion angekommen sind. Dem vorgelagert sind aber andere Entwicklungsstufen.

So bedarf es zunächst der Entstehung von positiven Körperwahrnehmungen, um andere Personen in direkter körperlicher Nähe ertragen zu können. Außerdem ist die Entwicklung von Gruppengefühl und –identität ein wichtiger Punkt. Dazu ist wichtig, dass es gemeinsame Regeln für den Umgang miteinander gibt. Dadurch werden die Rechte und Pflichten jedes einzelnen geregelt.

Jeder Schüler soll möglichst ein anerkanntes Mitglied seiner Gruppe / Klasse sein -welche Rolle er hier auch immer einnimmt. Stellt er sich selbst durch sein Verhalten außerhalb dieser Gruppe, werden ihm auf der Ebene von Integrationsangeboten der Gruppe neue Möglichkeiten zum Wiedereinstieg gegeben. Diese sind häufig durch eine gemeinsame positive Bemühung um eine Gemeinschaftsarbeit oder eine Leistung gekennzeichnet. In den meisten Fällen muss dieses Bemühen noch durch den Lehrer moderiert werden.

Vielen Schülern fällt es zunächst sehr schwer, positive Erwartungen an andere Personen und das Eingebunden sein in einer Gruppe zu haben. Sie sind durch Misserfolgserwartungen geprägt. Positive Veränderungen erfahren sie durch Akzeptanz und durch Grenzsetzungen. Diese Grenzsetzungen sind um so wichtiger, als sie für den Schüler einen überschaubaren Bereich definieren, ihm richtungsweisende Orientierung bieten und damit Sicherheit vermitteln den er mit sich selbst, seiner Körperlichkeit, seiner Identität füllen kann. Hier hat er das Recht darauf, selbstbestimmt Dinge und Kontakte erleben zu dürfen. Über diesen individuellen Bereich hinaus gelten aber immer die allgemeinen Regeln, Rechte und Pflichten. Die Mitschüler, vor allem aber die Lehrer achten darauf, dass kein Schüler seinen individuellen Bestimmungsbereich zum Nachteil anderer Personen oder der gemeinsamen Sache ausweitet. In dem Fall muss sofort interveniert werden, um für alle erkennbar die Sicherheit von Grenzen und Begrenzung wieder herzustellen. Wichtig ist, jeweils deutlich zu machen, aus welchem Grund die Intervention erfolgt ist, wo Grenzen verletzt wurden, warum es wichtig ist zu begrenzen. Die Rückmeldung muss immer vor dem Hintergrund der Rolle der Einzelperson, der Gruppe und der gemeinsamen Aufgabe erfolgen.

Für das Anerkennen und Annehmen dieser Bemühungen ist wichtig, dass keine zusätzlichen Störungen durch das Umfeld erfolgen. Hier sind als wichtige Partner vor allen Dingen die Eltern und Erziehungsberechtigten zu nennen.

Gelingt es, die Eltern positiv unterstützend mit in die Bemühungen der Schule einzubinden, so ist hier eine weitere wichtige Grundlage für wahrscheinlich erfolgreiche Entwicklungen gegeben. Das ist in anderer, oftmals aber ebenso wichtiger Art und Weise für die Kooperationspartner gültig. Ist auf der anderen Seite die Kooperationsbereitschaft der Eltern nicht vorhanden, wird möglicherweise sogar gegen die schulischen Bemühungen gearbeitet, führt das auf Dauer zu einer massiven Verschärfung der Problemlage für den Schüler. Aufgabe der Schule ist es dann, diese zusätzliche Belastung für den Schüler durch Kommunikation auf der Erwachsenenebene anzusprechen und zu klären.

 

 


Verhaltensportfolio und Schülersprechtag

Auf Dauer werden wir für unsere Schüler in den Förderbereichen nur etwas verändern können, wenn wir sie zu aktiver Mitarbeit gewinnen können. Wichtige Voraussetzung für diesen Ansatz ist

· Transparenz über die Vorgehensweise,
· den Blick auf sie aus fachlicher Sicht
· und die geplanten Veränderungsansätze.

Vor diesem Hintergrund wird mit allen Schülern als Teil ihres Förderplans halbjährlich ein Verhaltensportfolio ausgefüllt. Dieses Portfolio fragt als Selbsteinschätzung sechs Bereiche mit insgesamt etwa 60 Fragestellungen ab. Parallel zur Selbsteinschätzung des Schülers gibt es eine Einschätzung des Klassenlehrers oder falls möglich des Lehrerteams. Treten deutliche Abweichungen in der Einschätzung auf, sind diese Anlass zum Gespräch auf dem Schülersprechtag. Dort werden auch die Schwerpunkte des zukünftigen Förderplans besprochen. Diese Schwerpunkte ergeben sich aus dem abgeglichenen Verhaltensportfolio.

Der Schülersprechtag dient dazu, die Schüler in die Entwicklung von Förderfragestellungen einzubinden, mit ihnen gemeinsam abzusprechen, welche Förderansätze vorrangig bearbeitet werden sollen, ihnen die Möglichkeit zur Aussprache zu geben, Selbstverantwortung zu stärken.

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2009

 


 

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2009

 

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2009